Schulfest

Die Gesangseinlagen der Erstklässler samt Forschernachwuchs sind verstummt, ebenso die wiederkehrenden Rückkopplungen an der Soundanlage. Die Menschenmenge sieht sich nach Essen um.

„Hunger!!! Durst!!!!“, rufen auch die Life-Science-Kinder, denn seit der letzten Nahrungsaufnahme ist schon wieder eine gute Stunde vergangen.

Die Markstände sind für den Ansturm vorbereitet. Kuchenbleche und Tabletts sind eilig übers Gelände getragen worden. Bezahlt wird auf diesem Fest mit blauen ABC-Talern, ähnlich wie im Spielkasino. Sie sind an eigens eingerichteten Ausgabestellen zu erwerben. Der Lifescientist wagt sich in die bizarre Warteschlange, kehrt aber ohne Erfolg zurück. „Es mangelt physisch an Talern“, analysiert er die Situation.

Das heißt, dass zunächst andere Festgäste, die dank Schnelligkeit und Geistesgegenwart bereits im Besitz begehrter Chips gelangt sind oder noch welche von Vorjahr über haben, ihr Essen und Trinken schnell bezahlen müssen, damit das Zahlungsmittel in den Umlauf kommt und zur Ausgabestelle zurückfindet, sodass die Lichterfelder Elternschaft das aus eigener Hand zubereitete Backwerk auch ordnungsgemäß erwerben kann. Das dauert.

Überhaupt: Verpflegung auf Schulfesten. Es ist – sobald die Taler physisch vorliegen – völlig unklar, was man da vor sich hat – Lauch-Quiche oder Obstkuchen? Hackbällchen oder Rumkugeln? Keine Ahnung! Essen halt. Von irgendwoher mit irgendwas drin. Vegetarier, Veganer und Allergiker dürfen heute fasten. Moslems auch. Von den Sechstklässlern, die den kulinarischen Stand betreuen, braucht man jedenfalls keine nähere Auskunft über Inhaltsstoffe zu erwarten.

Frau Life Science stellt jedoch fest: die von ihr am schulfreien Vormittag hingebungsvoll ausgebratenen vegetarischen Bratlinge sind hier sehr günstig! Nur 1 ABC-Taler das Stück, sagen die Sechstklässler. Diese Dinger macht Frau Life Science ohnehin viel zu selten. Sie kauft sich darum gleich ein paar ihrer eigenen Kocherzeignisse. So günstig kommt sie da nie wieder ran!

Was bei diesem Fest mittels Ankauf vom eigenem Essen so im Ganzen erwirtschaftet werden wird und was mit dem Betrag gemacht werden soll, wird man wohl nie erfahren. Egal! Es ist wie mit den Spendentöpfen für die Ukraine, die im Frühjahr diesen Jahres überall aufgestellt wurden. Da Geld rein schmeissen! Danke! Wer dann die gesammelten Scheine der Ukraine gegeben hat und wie genau (Unicef? Ärzte ohne Grenzen? Onkel Franz? Oder jemand, der jemanden kennt?), hat man auch nie erfahren. Was soll’s.

Nun beginnt das Unterhaltungsprogramm. Basteln ist angesagt! Bundesdeutsches Keks-Häuschen und ein mit Schnipseln beklebtes Marmeladenglas. Das funktioniert immer.

Dazu kommt der Programmpunkt „Ins Feuer gucken“ und „Im Dunkeln draußen Rumseggeln mit Klassenkameraden“. Der Forschernachwuchs ist voll in seinem Element.

Das Herzmädchen verfängt sich derweil in einem Fußball-Tornetz, Frau Life Science sich im nie endenden weltumspannenden Mütter-Dialog übers Kindergroßkriegen. Erstere ruft weinend um Hilfe und muss befreit werden.

Auch wenn sich Frau Life Science über alles lustig zu machen scheint: Sie liebt diesen Quatsch. Genau ihr Ding! Sie amüsiert sich blendend bei schiefen Tönen und schrillen Rückkopplungen, den ewigen Kekshäuschen und dem ollen Schnipselglas. Sie freut sich schon wie Bolle auf das nächste Schulfest, bei dem sich im Jahreslauf anscheinend immer nur eines ändert: das Alter der Kinder und die Außentemperatur. Bei „Kälte“ gibt es Glühwein.

Ein paar blaue Taler hat Frau Life Science auch noch. Hoffentlich vergisst oder verliert sie sie nicht bis Ostern 2023. Sonst ist SIE schuld, wenn es dann wieder physisch an ABC-Talern mangelt.

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