Fortbildung

Frau Life Science nimmt dieser Tage an einem Escape Game teil. Es ist beruflich. Spielziel ist es, eine komplexe Aufgabe mit Hilfe von disparat gestreuten Hinweisen aus dem Kollegium, dem Internet und sonstigen Quellen erfolgreich zu lösen. Der Auftrag lautet: „Erstellen Sie Zeugnisse für Ihre Klasse“. Das Spiel wird Klassenlehrer:innen halbjährlich angeboten.

Die Kollegin übernahm Klassenleitungsaufgaben bereitwillig und ging dabei stets zielorientiert vor.

So ein Escape-Game ist natürlich nur spannend, wenn genügend Herausforderungen implementiert sind.

Die Kollegin stand Herausforderungen positiv gegenüber und engagierte sich gerne auch über das übliche Maß hinaus.

Wie sehen diese Herausforderungen aus?

Da wäre zum Beispiel die Digitalisierung. Nur durch sie ist es möglich, an sich triviale Vorgänge effektiv zu erschweren, um die Spielfreude zu steigern.

Das generelle sowie individuelle Sperren von dienstlichen Zugängen bietet sich da an, gerne durch verschiedene Instanzen. Wenn die Teilnehmer ungehindert an die Zensuren herankommen, die sie verarbeiten sollen, wo wäre dann das spielerische Element?

Die Kollegin erweiterte schrittweise ihre kommunikativen Fähigkeiten und steigerte ihre Frustrationstoleranz.

Auch muss Digitalisierung keineswegs durchgehend vernetzt stattfinden. Mindestens eine elektronische Datei, die für das Spiel benötigt wird, sollte nur in einem anderen Gebäude zugänglich sein, um schon beim Einstieg einen angemessenen Schwierigkeitsgrad sicherzustellen.

Wichtig ist auch, die Übung als besondere Anforderung hinsichtlich der Zeit zu gestalten. Daher muss das Spiel zwingend während der üblichen Arbeitszeit, Frei- oder Familienzeit durchgeführt werden, keinesfalls aber in einem dafür bereitgestellten zeitlichen Rahmen wie etwa eine Freistellung für eben diese Aufgabe. Dann gilt das Spiel als nicht gewonnen.

Belastbarkeit zeichnete die Kollegin aus.

Das Escape-Game ist des Weiteren unter keinen Umständen arbeitsteilig durchzuführen. Die Klassenlehrkraft muss die Aufgabe unbedingt in Gänze selbstständig lösen, das heißt, die Zeugnisse eigenhändig ausdrucken und dergleichen mehr. Es wird derzeit überlegt, ob die Aufgabe darüber hinaus noch in irgendeiner Form erweitert werden kann: beispielsweise durch den eigenverantwortlichen Kauf des benötigten Zeugnispapiers oder das manuelle Schnitzen eines Schulstempels. Jedenfalls sollte der Charakter der Anforderung generell so entgrenzt wie möglich sein, um dem Spielprinzip treu zu bleiben.

Verantwortungsbewusstsein für andere Menschen, nicht aber sich selbst gegenüber, gehörten zu den Stärken der Mitarbeiterin.

Die Lösungshinweise zur Gesamtaufgabe sind den Mitspielern ferner möglichst disparat zur Verfügung zu stellen. Eine Segmentierung der Information und die Verteilung auf unterschiedliche Wissensinstanzen, von der bereits berenteten Kollegin bis hin zur Sekretärin oder dem Hausmeister, sind empfehlenswert. Schriftlichkeit und Mündlichkeit sollten sich als Vermittlungsgrundlage abwechseln. Dabei ist auch darauf zu achten, dass neben klaren und eindeutigen Vorgaben ergänzend auch Hinweise zwischen den Zeilen und unter der Hand zu überbringen sind, wie zum Beispiel „Im Fach Religion haben alle Schüler eine 1 minus.“

Die Mitarbeiterin konnte gut gedanklich kombinieren.

Auch die individuelle Disposition der Lehrkraft spielt eine Rolle für einen reizvollen Spielablauf. Tunnelblick, angeborener Brain Fog sowie der Hang zum Verschütten von Getränken steigern in jedem Fall den Spielspaß.

Die Mitarbeiterin bemühte sich sehr.

Das Spiel gilt als beendet, sobald die Chefin die 26 Ausdrucke unterschrieben zurückgegeben hat.

Die Mitarbeiterin erledigte ihre dienstlichen Aufgaben zur vollen Zufriedenheit.

Also fast beendet. Dann müssen nur noch Tränen der Schüler:innen getrocknet, die Eltern beruhigt und alle 26 Unterschriften eingetrieben werden. Aber das ist ja dann ruckzuck erledigt.

Der Lehrkraft gelang es meist, auf die emotionalen und sozialen Bedürfnisse der ihr anvertrauten Kinder und Eltern angemessen einzugehen.

3 Gedanken zu “Fortbildung

  1. Du hast den Nagel exakt auf den Kopf getroffen! Genau so findet das lustige Escape Game allhalbjährlich statt. Ich dachte allerdings bis jetzt, das sei nur in unserer Anstalt so. Wie tröstlich, dass diese Beschäftigungstherapie für unterforderte Lehrkräfte nicht nur in der süddeutschen Provinz angeboten wird, sondern auch in der hippen Hauptstadt…..

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