Der Hausmeister von Frau Life Sciences Schule ist ein echtes Unikat. Sein Smalltalk-Angebot, wenn man ihn auf dem Flur (im Hof, auf der Treppe) trifft, ist folgendes:
„Noch 15 Wochen!…“
„Noch neuneinhalb Wochen…!“
„Noch 18 Tage…!“
„Noch 48 Stunden…!“
usw.
Gemeint ist die verbleibende Zeit bis zu den Sommerferien. Das ist sehr authentisch und sehr lustig, weil es viel über den Schulbetrieb verrät, der sich selbst nicht aushält. Unabhängig von Berufsgruppen.
Dennoch, seit Frau Life Science nicht mehr Vollzeit in der Schule, sondern auch noch im Zweitberuf als Mama arbeitet, passt es eigentlich nicht mehr.
Sommerferien heißt, Kita zu. Drei Wochen und ein Tag. Heißt, Koffer Packen. Nicht nur einen. Heißt “Mama!” und “Mama!” und nochmal “Mama!”.
Gerne auch ohne ersten Vokal. “Mma!”. “Mma dies, Mma das, Mma alles!”
Heißt, Familie in der Ferne besuchen und dem Generationenvertrag beim Scheitern zusehen.
“Wie lang sinner doo?”, fragt die Nachbarin des Elternhauses.
“Ah, nur bis Friddig!”
Nach dem weiteren Familienurlaub anderswo, der nicht ganz unwesentlich von der Frage “Und was machen wir jeeeeeeetzt?” geprägt ist, kommt dann, nach 3 Wochen und einem Tag womöglich die eigentliche Urlaubszeit der Frau Lehrerin:
Die Kinder sind tagsüber halbwegs betreut (1 Pädagogischer Tag wird natürlich auch noch angesetzt). Die Sport- sind Camps gebucht. Tagesfreizeit. Me-Time.
Doch jetzt beginnt der eigentliche Widerspruch. Was soll man jetzt eigentlich zuerst machen?
Die Post-Ablage, die seit Februar vor sich hinstaubt, endlich sauber abheften?
Juhu! Ich mach’s sofort. Nicht.
Fester putzen? Na klar!! Wer möchte nicht im August Fenster putzen?
Etwas Kulturelles unternehmen? Tagsüber? Mit wem? Was genau? Ich will meine Ruhe?
Oder doch was für die Schule tun? Einen Stoffverteilungsplan erstellen?
Pfffffffff….
Es ist so eine ambivalente Mischung aus Pflichtgefühl (eigentlich sollte man nun wirklich mal …!!!) und Erlebniserwartung (jetzt das Leben sofort und auf Vorrat genießen, aber wie???) , die letztendlich einfach unauflösbar ist. Und um 15 Uhr geht’s schon wieder Richtung Kita.
„Mma…?“
Es ist wirklich schwer zu erklären: Da hat man so viel Ferien und dann jammert man auch noch.
Lehrerinnen halt!
Ban beginnt schon andersrum als der Hausmeier zu zählen: noch 14 Tage….
Auf der Schulplattform wird derweil spontan nach freiwilligen Helfern für die Lernmittel gefragt. Ganz lustig und mit Charme ist die Anfrage formuliert. Frau Life Science überlegt direkt, an welchem Tag der Woche sie wohl kommen könnte?
Auspacken, Abgleichen mit dem Lieferschein und mit einem Aufkleber versehen sei die Aufgabe, die (über)qualifizierte Fachkräfte nun ehrenamtlich ein paar Stunden übernehmen sollen/könnten oder was auch immer.
Was soll das eigentlich?
Ich kann auch bei DM ehrenamtlich Inventur machen? Bei Karls Erdbeerstand freiwillig Erdbeeren wiegen? Oder bei TEDi unentgeltlich kassieren?
Sonst noch was?
Was Frau Life Science sich wirklich wünscht, sind nicht Sommerferien, sondern einfach eine halbwegs geregelte Zeiterfassung.
Das wär‘s.