gestreift

Familie Life Science darf vermelden: Am staatlich beaufsichtigten Infektionsereignis haben sie erfolgreich teilgenommen. Morbus Kita, die ist ihnen ins Haus gekommen – und geblieben. Einmal angefangen ging alles seinen geregelten Gang: alle zwei Tage war wieder jemand zuhause fällig. Bring Brötchen mit, wenn du zum PCR-Test gehst, so ungefähr war die Stimmung.

Zack, Fronten gewechselt, sie gehören jetzt auch zur wachsenden Familie der bestmöglich Immunisierten. Wussten Sie schon? Es ist gaaaanz mild.

Dabei hatten sie versucht das Virus noch aufzuhalten, als es angereist war. Sie hatten Masken getragen bzw. sich in verschiedenen Räumen aufgehalten und gelüftet bis der Glaser kam. Das stimmt wirklich, denn ein Fensterflügel eines Berliner Kastendoppelfensters knallte bei zu viel Luftzug aus allen Richtungen so heftig gegen den Rahmen, dass die Scheibe sprang und größtenteils im Vorgarten landete. Zwischen den Hundehäufchen, die dort eigentlich hingehören, durfte der geboosterte Lifescientist die langen Zacken aufklauben. Der zweite Flügel blieb erhalten und somit war das Fenster trotzdem halbwegs geschlossen.

Wie organisiert man eigentlich einen Handwerkertermin in einem Isolationshaushalt? Sie hatten Glück und konnten den Fensterflügel auf telefonischen Rat hin aushängen und selbst zum Glaser bringen. Man ist ja geboostert und somit von Quarantäne befreit – zumindest solange bis man sich ansteckt. Natürlich haben sie niemanden gefährdet. Aber klar, sie hätten auch Cocktailtrinken gehen können, der Test war ja immer negativ. Bis er positiv war. Von Null auf rosa: eine Entwicklung von Stunden.

Also das Aufhalten des Virus im Hause Life Science hatte nicht geklappt. Von Tag zu Tag war mehr Routine mit Masken und effektivem Lüften, sie taten es noch, als schon erste Symptome kamen, es hätte ja auch Zahnen sein können, sie hielten durch, bis die nachts gestohlene Nasenprobe positiv war.

Das war ja klar, dass das nicht klappt mit der verhinderten Ansteckung, mögen manche sagen. Das Gemache hätten die sich sparen können. Ja, vielleicht. Aber man würde doch noch das Apfelbäumchen pflanzen vor dem Untergang der Welt, und man haucht seiner vorerkrankten Tochter nicht die Viren ins Gesicht, auch wenn sie´s eh kriegt. Maske ist Liebe. Lüften ist Liebe und Impfen ist Liebe. Fertig.

Das Gesundheitsamt beschäftigte sich auch mit dem Fall, also „beschäftigte“ im Wortsinn und als Selbstzweck. Es beschäftigte ich selbst und die bereits von der Isolation und der Krankheit beanspruchten Haushaltsteilnehmer mit Aufgaben. Es ging hauptsächlich um das Notieren irgendwelcher Impftermine und -Stoffe von Haushaltsmitgliedern, die längst infiziert waren. Als würde man mit dem Linienbus einem illegalen Autorennen folgen um es zu stellen. Sehr aussichtsreich.

Der zweite Fall des Haushalts wurde nach mehreren Tagen zuerst befragt, der dritte als zweites und der erste noch gar nicht. Eine Wahrnehmung als zusammenhängende Infektionsgemeinschaft gibt es generell nicht. Frau Life Science füllt das Schreiben nachts aus und schickt in ihrem Isolationsnebel einen leeren Anhang zurück. Weit nach der Mittagszeit am nächsten Tag wird der Fehler angemahnt. Ein weiterer Vormittag, an dem mögliche Kontaktpersonen zum Zahnarzt gehen.

Ein amtliches Schreiben, rechtlich bindend, per Email? Ich schicke also Gesundheitsdaten über eine unverschlüsselte Emailverbindung? Der Lifescientist schüttelt den Kopf.

Was war noch? Die Kleine hat vielleicht eine Murmel mit kleinem Durchmesser verschluckt, oder auch nicht, jedoch machte das „vielleicht“ dem Lifescientisten kurzzeitig fast noch mehr Sorgen als Covid.

Die Leihoma, hat in einem fort Ideen und lieferte eine Sandmuschel an die Tür inklusive zweier viel zu schwerer Sandsäcke. Jetzt istt die Kleine den kalten Sand auf dem Balkon auf und lässt das mit den Murmeln.

Der Große hat mit Laubsägen angefangen. Sehr zu empfehlen. Geht an jedem Esstisch, kann man schnell lernen und Erfolgserlebnisse sind garantiert.

Ansonsten ist das Tablet ein Segen. Zwei Kinder mit völlig unterschiedlichen Interessen im geschlossenen Haus zu beschäftigen, der Lifescientist muss zudem öfter an online-Terminen teilnehmen, da kommt man pädagogisch an die Grenzen. Das dürfte klar sein. Es ist vorübergehend und das normal anstrengende Leben wird bald zurückkehren.

Nur dem Teststreifen fehlt jetzt am Ende der Isolationszeit noch die Blütenweißheit, der streifenfreie Glanz. Es will bis jetzt nicht klappen. Und gestreift kann man weder in die Kita, noch in die Schule, ins Labor oder sonst wohin.

Und Frau Life Science ist schon fast versucht, sich nach einer schlampigen Teststelle zu erkundigen.

9 Gedanken zu “gestreift

      1. Guten Abend Frau Life Science, eigenartig, ich habe ihn im Abo, schon seit langem. Haben wir alle unterschiedliche Reader oder was? Irgendwelche Settings verkorkst? Verstehe ich nicht.
        Trotzdem schönen Abend aus Prenzlauer Berg!

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      2. Bei mir klappt ja immer irgendwas nicht. Bei dir zu kommentieren habe ich aufgegeben, und den Maschinisten finde ich nicht über Suchfunktion im WP-Reader. Im Web erreiche ich den Blog, habe aber keine Interaktionsmöglichkeit.

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      3. Das verstehe ich nicht, mein Blog ist offen für Kommentare, ich sperre nichts. Aber ich kann auch bei manch anderen Blogs, die ich regelmäßig lese, nicht kommentieren, obwohl sie ihre Türe offen haben und sie bei mir kommentieren. Nerv …

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